Kampfkunst und Gender? (noch 2 Tage)

Kinderklasse vorm Rollen

Mädchen und Kampfkunst?!

Neben den Kampfkünsten studiere ich Gender Studies (Geschlechterforschung) an der Humboldt-Universität zu Berlin.  Ziel war es immer beides zu verbinden. Ob es mir gelungen ist, weiß ich nicht, da mir hierzu der Abstand fehlt. Versucht habe ich es dennoch. Bewußt und unbewußt. Im Folgenden mache ich mir Gedanken über Kampfkunst und Geschlecht und meine Art damit ganz praktisch im Training umzugehen. Es handelt sich dabei um subjektive Erfahrungswerte, die ich mit der Zeit gesammelt habe. Ich denke, dass besonders, was Frauen/Mädchen und Kampfkunst betrifft, noch viel Luft nach oben ist. Meine Interventionen und meine Trainingsgestaltung zielen auf eine Struktur in der Mädchen/Frauen und Jungen/Männer miteinander trainieren, voneinander lernen und sich respektvoll behandeln können.

Kampfkunst ist eine sehr männliche Domäne. Nicht zwangsläufig auf der Matte aber in den Köpfen der Menschen und auf der Mattscheibe. Die meisten Kampfsport/Kampfkunstfilme zeigen männliche Darsteller, die sich durch allerlei Traumata kämpfen müssen. Frauen spielen hier häufig nur eine untergeordnete Rolle. Sie sind für die Gefühle im Film und nur selten für die Action zuständig. Die ersten Namen aus dem Filmbusiness, die mir konkret einfallen wären Jean Claude van Damme, Jet Li, Jackie Chan, Bruce Lee, Steven Seagal oder Chuck Noris. Auch wenn ich viele Filme gesehen habe, fällt mir kein einziger Name einer weiblichen Darstellerin ein. Hier fehlt es also schon mal an Vorbildern oder an einem ordentlich Erinnerungsvermögen.

Doch wie sieht es fern ab der Mattscheibe aus. Gibt es Frauen in der Kampfkunstgeschichte? Die ersten Namen die mir hier einfallen sind Morihei Ueshiba, Morihiro Saito, Masutatsu Oyama, Gichin Funakoshi, Jigoro Kano, Yip Man, Benny Urquidez, oder Royce Gracie. Auch hier finde ich auf Anhieb keine Frau in meinen Erinnerungen. Es gibt ein paar nette Anekdoten und Mythen aber diese Frauen haben es nicht bis in mein Gedächtnis geschafft. Auch hier fehlt es also aus meiner Sicht an Vorbildern.

In der Realität sieht es freilich besser aus als in meine Erinnerungen. Es gibt viele Frauen die Kampfkunst/Kampfsport betreiben und vielen ein Vorbild sind. Im Aikidobereich ergab eine kurze Recherche folgende Ergebnisse:

An den Vorbildern hängen zu bleiben und Köpfe nach männlein und weiblein zu sortieren, ist zwar ein Anfang aber noch lange nicht das Ende. Eine wichtige Frage für mich ist, wie kann ich das Training so gestalten, dass es für Mädchen und Jungen gleichermaßen funktioniert? Was muss ich dabei beachten und was muss ich vielleicht aus dem Trainingsprogramm streichen um Erfolg zu haben. Erfolg meint, dass sich Mädchen und Jungen gleichermaßen wohl dabei fühlen eine Kampfkunst zu trainieren.

grundschule

Oi Zuki. Ganz alleine und doch gemeinsam.

Ein wichtiger Punkt ist für mich der Verzicht auf eine freie körperliche Konfrontation (Raufen etc.) miteinander im Training. Dabei ist es nicht einmal wichtig ob Mädchen auf Jungen prallen. Die Kinder sollen sich nicht auf der Matte miteinander messen, denn dabei gewinnen die Stärkeren/Konsequenteren/Selbstbewußteren und es verlieren die die kein Interesse oder keine Möglichkeiten haben. Wenn sie sich irgendwo abarbeiten wollen, dann an mir. Außerdem ist mir aufgefallen, dass viele Mädchen überhaupt kein Interesse daran haben, sich mit irgendwelchen Jungs körperlich zu messen. Chancen und die Möglichkeiten hätten sie allemal aber der Wille dazu fehlt.

Körperliche Fitness ist wichtig, keine Frage. Doch die Menge wieviel Platz der Kräftigungsteil im Training einnehmen soll, hat sich über die Jahre bei mir verändert. Eine Übung auf die ich fast gänzlich verzichte sind Liegestütze. Bei Kindern ist die Anstrengung bei Liegestützen zu groß, so dass die Technik zu schlecht ausgeführt wird und den Rücken belastet. Bei Erwachsenen verzichte es aus einem anderen Grund. Viele Frauen und Männer können Liegstüzte nicht leiden, noch haben sie Interesse an einer muskulär und sichtbar gut augebildeten Schulterpartie. Bei meinem Training achte ich eher auf Erwärmungs-, Lockerungs- und Dehnübungen und verschiebe den Fitnessteil (somit auch die Liegestütze) in den freiwilligen Bereich.

Die Techniken des I-SHIN Kindertrainings oder des Aikido können bei Einhaltung der Übungsprinzipien von Jungen und Mädchen gleichermaßen ausgeführt werden. Wichtig ist die technisch richtige Ausführung und nicht die Schnelligkeit oder die eingesetzte Kraft. Sie dürfen sich beim üben nicht miteinander messen, da sonst eine erhöhte Verletzungsgefahr besteht.

Spiel - Wolf und Schaf

Wer ist schneller als der Wolf?

Natürlich darf der Spaß an der Sache nicht fehlen. In Bewegungsübungen (wie Rollen, Radschlagen etc.) die unabhängig vom Geschlecht besser oder schlechter ausgeführt werden, sind die Kinder auf sich alleine gestellt. Hier können sie üben ohne dabei mit den anderen in Konkurrenz zu stehen. (An dieser Stelle kommt den Trainier_innen eine wichtige Rolle zu, das Ganze ordentlich zu moderieren und anzuleiten)

Die einzige Möglichkeit für die Kinder sich aneinander abzuarbeiten sind die Spiele am Ende. Hier können sie tatsächlich messen, wer denn nun schneller oder wendiger ist. Der Unterschied zum Raufen besteht aber in den festgelegten Regeln der Spiele. Gewinnen tuen in dem Fall alle, weil es Spaß macht.

Für mich ist es mit diesem System möglich viele Mädchen und Jungen für die Kampfkunst zu begeistern. Ganz abgesehen davon, dass mir das Training so am meisten Spaß macht. Beides hängt wohl irgendwie zusammen… Ich bin gespannt, wohin die Reise geht. In ein paar Jahren werde ich mir diesen Beitrag wohl nochmal durchlesen und schmunzeln müssen.

An dieser Stelle will ich mich auch noch mal bei David und Isa bedanken, mit denen die Gestaltung des Kindertraining wirklich Spaß macht. Viel von dem was ich oben geschrieben habe, ist im regen Austausch mit ihnen entstanden.

Hui, so ein langer Beitrag… Herzlichen Glückwunsch, dass du es bis hierher mit dem Lesen geschafft hast 🙂 Da hast du dir noch ein Video verdient!

[AGG] Eine zahnlose Tigerin kann nicht beißen. Der Fall Sule Eisele.

Am 28.Januar diesen Jahres, schrieb ich den Artikel „Alles! Nur nicht Mutter werden!„. Meine Quintessenz war damals:

Solange Kinder nicht in der Mittagspause entbunden werden können, wird es ohne Mutterschutz und Elternzeit (die Sule Eisele übrigens nicht beantragt hat) mit dem Kinderkriegen wohl nichts.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) hat auf dem Prüfstand gestanden und in erster Instanz versagt. 10800€ werden Sule Eisele zugesprochen. Das sind die wohl in Arbeitsgerichtsverfahren üblichen drei Monatsgehälter. Warum nicht die geforderten 500.000€?

Richter Krampe gestand Eisele zwar zu, dass ihre Versetzung nicht in Ordnung war, doch lehnte er Hunderttausende Euro Entschädigung als übertrieben ab.

Ah ja. <<< Also. Zurückspulen und von vorn.

Alles! Nur nicht Mutter werden!

Weiterlesen

  • Die ganz billige Tour – mädchenmannschaft
    „Das Urteil ist wirklich ein Schlag ins Gesicht aller Frauen (und auch Väter, die Vergleichbares erlebt haben), die ihre Hoffnungen auf diesen Präzedenzfall gelegt haben. In Deutschland wird noch nicht so selbstverständlich geklagt wie zum Beispiel in den USA, deswegen war der Schritt Sule Eiseles umso mutiger. Viele Frauen, denen Ähnliches oder Gleiches passiert, wissen zwar, dass sie eigentlich vor Gericht ziehen können, tun es aber meist nicht, weil eben die Rechtspraxis in Deutschland so ist, dass sich vor Gericht nur der jeweilige Arbeitsplatz und drei Monatsgehälter einklagen lassen. Aber wer, bitteschön, möchte an einem Schreibtisch sitzen, der demjenigen gehört, gegen den man geklagt hat?“
  • Versicherung kommt billig davon! – mehr demokratie
    „Das Gericht sah nun – trotz fast 150-seitiger Beweisführung durch die Rechtsanwälte Klaus Michael Alenfelder und Frank Jansen – weder in der Geschlechter- noch in der ethnischen Frage eine Benachteiligung der Klägerin- Auch die Tatsache, dass Eisele-Gaffaroglu ihren Dienst-PC nicht benutzen konnte, zählte nicht.“
  • Billige Diskriminierung – sueddeutsche

[Geschlecht?!] Digg.com mit der ersten wirklichen Alternative, die ich gefunden habe

Auf den meisten Internetseiten, bei denen du ein Profil anlegen kannst, gibt es diese eine entscheidene Frage:

  • Gender? / Geschlecht?

Bis jetzt habe ich nur die üblichen zwei Verdächtigen gefunden:

  • weiblich
  • männlich

Als ich mich eben bei digg.com angemeldet habe, bekam ich folgende Liste:

  • Guy
  • Girl
  • Dude
  • Lady
  • Fellow
  • Bird
  • Chap
  • grrrl
  • Gentleman
  • Damsel
  • Beau
  • Belle
  • Male
  • Female
  • Transgender
  • None of the Above

Ich verstehe das Angebot als Alternative zu den sonstigen Anmeldemechanismen und habe mich gleich mal mit „None of the Above“ bezeichnet.

Kennt ihr noch andere Seite, bei denen der Anmeldemechanismus ähnlich vielfältig ist?

[Kino] Madame Curie – Eine Biografie über Marie Curie

10.12.2008

Die amerikanische Schauspielerin Greer Garson in "Madame Curie"

Das hätte ich nicht gedacht. Eigentlich sehe ich mir keine Filme aus dem Jahr 1943 an. Heute war es irgendwie anders. Im Rahmen der Filmreihe 100 Jahre Frauenstudium lief heute der Film „Madame Curie“, der die Lebens- und Forschungsgeschichte der zweifachen Nobelpreisträgerin Marie Curie und ihrem Mann Pierre Curie portraitiert.

Der Film hat mich bewegt. Zum einen zeigt er eine Frau, die mit ihrer Leidenschaft zur Wissenschaft, Wissen schafft. Er zeigt weniger die vielen Hürden, die sie hat meister_innen müssen sondern eine Liebesgeschichte zur Forschung und zwischen Marie und Pierre.  Ich fands romantisch.

Zwei weitere Punkte sind mir während des Film guckens in den Sinn gekommen.

  1. Die Forschung, die Marie und Pierre betrieben haben, war nach meiner Definition transdisziplinär. Mit ihren zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachteten sie ein Problem für eine sehr lange Zeit. Ihre Forschungsergebnisse machten sie danach öffentlich. Fertig ist die Transdisziplinarität.
  2. Ich kann nicht verstehen, dass die Filmreihe 100 Jahre Frauenstudium so schlecht beworben ist. Flyer und Plakate sind wahrlich genug da und hübsch. Es gibt auch einen Eintrag auf der Seite des ZtG. Und darüber hinaus? Nichts! Ganz ehrlich: Das ist zu wenig. Der Kinosaal der HU ist unendlich groß. Es würde sich mehr Menschen für eine kostenfreie Filmreihe interessieren, wenn sie es denn nur wüssten. Schade!